#1

LKW-Fahrer protestieren europaweit gegen Lohndumping

in Infos aus FB 15.05.2014 19:20
von Gigaherz • Co-Admin | 9.366 Beiträge | 6369 Punkte

Am ersten Samstag im Mai demonstrierten in Berlin mehrere Hundert LKW-Fahrer gegen Lohn- und Sozialdumping in Europa. Die Aktion war Teil von Protesten in mehreren europäischen Städten, unter anderem in Oslo, Den Haag, Kopenhagen und Madrid. Aufgerufen zu der Aktion hatte die Initiative „Actie in de Transport“. Von Verdi und anderen DGB-Gewerkschaften war bei der Kundgebung in Berlin nichts zu sehen.

Täglich sind allein in Deutschland über eine Million LKW-Fahrer auf den Straßen unterwegs. Die meisten von ihnen leiden unter hohem Zeitdruck, niedrigen Löhnen und einem gnadenlosen Wettbewerb, der durch die Liberalisierungspolitik der EU in Gang gesetzt und durch die EU-Osterweiterung vor zehn Jahren enorm verschärft worden ist.

Hunderte Millionen Tonnen Güter werden täglich über die meist vollgestopften Straßen transportiert. Dazu gehören Zuliefermaterial für die Autoindustrie, die genau auf die Minute (just in time) angeliefert werden müssen, Güter der Grundstoffindustrie wie Kohle, Öl, Flüssiggas, Beton, Stahl und Baumaterial, Lebensmittel, praktisch alle Dinge des täglichen Bedarfs und Waren, die täglich online bestellt werden.

Die Arbeitsbedingungen für die meisten LKW-Fahrer sind mörderisch. Vorgegebene Zeiten für bestimmte Entfernungen können oftmals aufgrund von Staus oder Unfällen nicht eingehalten werden. Die zulässigen Fahrzeiten werden dadurch notgedrungen überschritten. Im Falle von Kontrollen müssen die Fahrer entsprechende Bußgelder bezahlen.

Die durch diese Bedingungen häufige Übermüdung vieler Fahrer führen immer wieder zu tragischen und katastrophalen Unfällen. Bei verstärkten gesundheitlichen Problemen mit zunehmenden Alter sind LKW-Fahrer von Arbeitsplatzverlust, Arbeitslosigkeit und niedrigen Renten bedroht, obwohl sie jahrzehntelang hart gearbeitet haben.

Die Initiative „Actie in de Transport“ („Aktion im Transportwesen“) wurde in den Niederlanden gegründet. In der internationalen Gruppierung haben sich Fahrer und auch Unternehmer europäischer Länder zusammen gefunden, um die Situation in der Branche zu verbessern.

Unterstützer der Gruppe gibt es inzwischen in den Niederlanden, Dänemark, Belgien, Frankreich, Italien, Spanien, Schweden, Finnland, Österreich und Deutschland. Laut eigenen Aussagen unterstützen 25.000 Mitglieder die Gruppe über Facebook und tauschen sich über Probleme und Forderungen aus.

In den Zielen der Gruppe heißt es: „Es soll und wird nicht nur bei Facebook bleiben. Vielmehr möchten wir die Politik erreichen, damit das enorme West/Ost-Preisgefälle, welches durch die Marktöffnung entstanden ist, harmonisiert wird. Wir wenden uns weder gegen die ausländischen Kollegen noch gegen die Speditionen, sondern wir fordern ganz im Gegenteil gleiche Bedingungen und Voraussetzungen, damit wir alle überleben können. Nur mit gleichen Bedingungen ist ein fairer Wettbewerb möglich. Dies ist unser Ziel!“

Dann werden einige der Anlässe geschildert, die zur Gründung von „Actie in de Transport“ geführt haben. So wurde Anfang letzten Jahres in den Niederlanden bekannt, dass eine lettische Spedition mit Stammsitz in Lübeck Fahrer auf den Philippinen anwirbt. Diese sollten für 680 Euro im Monat plus Spesen in ganz Europa fahren. In den Niederlanden gibt es mehrere Zehntausend arbeitslose Fahrer, die aufgrund der durch EU-Vorgaben entstandenen Preispolitik zu teuer sind.

In Italien wurden Fälle von osteuropäischen Fahrern bekannt, die für 380 Euro Mindestlohn arbeiten. Ungarische Fahrer arbeiten teilweise für 10 Cent pro gefahrenen Kilometer – für Niedrigstlöhne, von denen niemand leben kann. Da an Diesel, Maut und den sonstigen Betriebskosten kaum etwas gespart werden kann, findet der Unterbietungswettkampf bei den Speditions- und Frachtkosten praktisch nur über die Löhne und Arbeitsbedingungen und über Einsparungen beim Personal, den Fahrerinnen und Fahrern, statt.

Die hier geschilderten Probleme werden auch durch die Veröffentlichungen von anderen Verbänden und Statistiken untermauert. So heißt es unter der Überschrift „Marktöffnung: Preisdruck nimmt zu“ in trans aktuell: „Die große EU-Osterweiterung jährt sich zum zehnten Mal. Die Bilanz fällt zwiespältig aus. Es gibt viele Klagen über Preisverfall und Sozialdumping. Aber hinter der Konkurrenz aus den Beitrittsstaaten stehen nicht selten deutsche Unternehmen.“

So ergab eine Fahrerbefragung des Bundesamtes für Güterverkehr, dass 72 Prozent der Kabotagefahrten in Deutschland im Auftrag deutscher Unternehmen unternommen werden. Kabotage bedeutet die Übernahme von Transportdienstleistungen innerhalb eines Landes durch ein ausländisches Unternehmen.

Teilnehmer an der Protestaktion in Berlin waren teilweise von weit her angereist. Einige LKW-Fahrer demonstrierten mit Transparenten an ihren Fahrzeugen für bessere Arbeitsbedingungen. „Arm trotz Arbeit“, „Vom Traumberuf zum Albtraum“ und „Wir wollen von unserer Arbeit leben und nicht von Hartz IV“ stand darauf.

Reporter der World Socialist Web Site sprachen mit Demonstrationsteilnehmern. Andreas, 37, kommt aus Niederösterreich und hat zwei Kinder. Er meinte: „Auf nationaler Ebene kann man die Löhne und Arbeitsbedingungen nicht verteidigen. Man muss auf europäischer Ebene kämpfen. Die Beschäftigten müssen sich gemeinsam wehren. Die Firmen drücken die Löhne, indem sie die Arbeiter der verschiedenen Länder gegeneinander ausspielen.“

Sven, 37, wohnt in Bayern und hat einen Sohn. Er sagte: „Die Gewerkschaften ziehen nicht mit uns an einem Strang. Die Kraftfahrergewerkschaft (KFG) nutzt den Mitgliedsbeitrag, um in teuren Mietwagen umherzufahren. Verdi redet nur und macht nichts. In den letzten fünf Jahren sind die Löhne in Deutschland im Vergleich zu Österreich für LKW-Fahrer um 600 bis 700 Euro zurückgefallen. Die Beschäftigten werden rausgeekelt und dann neue Kollegen für deutlich weniger Lohn eingestellt.“

Andreas ergänzte: „Und die niedrigen deutschen Löhne werden dann genutzt, um auch das Tarifgefüge in Österreich aufzubrechen. Wir müssen uns jetzt gemeinsam wehren, sonst ist es zu spät.“

Die Berliner Zeitung zitierte Klaus-Jürgen P., 57, aus Kleinmachnow. Er berichtete, dass er vor kurzem entlassen worden sei, weil er sich geweigert habe, gesetzliche Vorschriften zu den Arbeits- und Ruhezeiten zu missachten. Er habe seit dem Jahr 2000 in diesem Job gearbeitet. Manche Anforderungen an die Fahrer seien nicht mehr erfüllbar: „Ich sollte dreimal in der Woche Berlin-Antwerpen fahren. Das ist einfach nicht zu schaffen.“

Die Vorschläge und Forderungen der „Actie in de Transport“ zur Verbesserung der Lage der Transportarbeiter in ganz Europa richten sich vor allem an die EU und die nationalen Regierungen. So werden einheitliche Mindestlöhne und einheitliche Frachttarife innerhalb der EU gefordert. Außer mit Briefen und Petitionen, die sich wiederum an die EU-Kommission und bürgerliche Politiker richten, sollen vor allem Demonstrationen und Protestaktionen auf die schwierige Lage der LKW-Fahrer aufmerksam machen und für Unterstützung aus der Bevölkerung werben.

Während die Protestaktionen und Demonstrationen unabhängig von den Gewerkschaften, die keinen Finger für die Arbeiter rühren, zu begrüßen sind, muss vor jeglicher Illusion in die EU-Kommission und die nationalen Regierungen gewarnt werden. Sie sind ja gerade für die Liberalisierung der Märkte und für Lohn- und Sozialdumping verantwortlich.

Die Gewerkschaften unterstützen „ihre“ nationalen Unternehmen und Regierungen bei diesen Angriffe gegen die Arbeiter, um die jeweilige „Wettbewerbsfähigkeit“ zu verteidigen, und spielen so die Arbeiter gegeneinander aus.

Ein wirkungsvoller Kampf gegen Lohn- und Sozialdumping in Europa ist nur auf der Grundlage einer internationalen sozialistischen Perspektive möglich, im Kampf für Vereinigte Sozialistische Staaten von Europa.


Q U E L L E


Nimm das Leben nicht so ernst, du kommst hier eh nicht lebend raus!

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#2

RE: LKW-Fahrer protestieren europaweit gegen Lohndumping

in Infos aus FB 15.05.2014 21:29
von Victoria | 341 Beiträge | 182 Punkte

Ein sehr guter und ausführlicher Bericht.

Leider mit einem Fehler im Detail. Von der Actie in transport Germany waren zwar ein paar Kollegen anwesend. Zur Kundgebung aufgerufen und organisiert haben sie die KCD.

Unterstützung erhielten wir unter anderem durch die Stiftung Menschenwürde und Arbeitswelt.


Ein kluger Mensch macht nicht alle Fehler selbst. Er gibt auch anderen eine Chance.
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#3

RE: LKW-Fahrer protestieren europaweit gegen Lohndumping

in Infos aus FB 15.05.2014 23:12
von bonns (gelöscht)
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spart Euch dieses ganze unnütze Theater und geht zu Verdi.
Das spart enorm Zeit.
Nur, man muss auch mitmachen, wenn man etwas erwartet.
Oder, von nix kommt nix
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Gruss

Uwe


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#4

RE: LKW-Fahrer protestieren europaweit gegen Lohndumping

in Infos aus FB 16.05.2014 14:22
von issjåfør | 80 Beiträge | 51 Punkte
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#5

RE: LKW-Fahrer protestieren europaweit gegen Lohndumping

in Infos aus FB 16.05.2014 14:47
von Purzel • Admin | 39.149 Beiträge | 23248 Punkte

kann den Bericht von Ingo bestätigen, es waren reine Schikanen, von Seiten der Polizei


Eín Miteinander - kein Gegeneinander

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zuletzt bearbeitet 16.05.2014 21:39 | nach oben springen

#6

RE: LKW-Fahrer protestieren europaweit gegen Lohndumping

in Infos aus FB 16.05.2014 23:42
von bonns (gelöscht)
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ja und, bekommt jetzt auch nur einer mehr Geld?

Leute, legt Euch einfach hin und träumt weiter.

Naja gut, man hat drüber geredet.
Aber das haben wir vor 30 Jahren auch schon.
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Gruss

Uwe


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#7

RE: LKW-Fahrer protestieren europaweit gegen Lohndumping

in Infos aus FB 22.05.2014 14:41
von issjåfør | 80 Beiträge | 51 Punkte

Hei Purzel, uns wurde mitgeteilt, wir sollen das mit der Polizei rausnehmen, WIR (die KCD) würden uns nur weiter isolieren und den anderen Fahrern schaden. Ich habe es nun aber ein wenig "entschärft" damit wir nicht bei gewissen Leuten anecken. Fakt ist nun mal, dass das geplant war. Das ging schon damit los, dass wir am Freitag ein Fax mit der Bestätigung der Demo bekommen, auf der die Zeit des Endes von 22.00 Uhr (mit Abbau) auf 15.00 Uhr verkürzt wurde. Hier wurde unser Ansprechpartner übers Ohr gehauen, und wir haben leider die Genehmigungen am freitag nicht ausreichend geprüft. Dadurch ist uns das entgangen. Das Thema der Polizei allerdings war gar nicht die Uhrzeit, sondern dass sie uns wegen der Bänke und einer Imbissbude Volksfest-charakter vorgeworfen haben. Dass die Zeit verändert wurde, viel erst bei diesen Gesprächen auf.


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#8

RE: LKW-Fahrer protestieren europaweit gegen Lohndumping

in Infos aus FB 01.07.2014 16:23
von Belinda | 476 Beiträge | 572 Punkte

Hier auch meine Gedanken:

Die Arbeitsbedingungen verschlechtern sich zusehends, das Lohngefüge geht immer mehr nach unten. Diese Arbeit ist mühsam, sie erfordert
Ausdauer und viel Geduld. Auch von Rückschlägen darf man sich nicht entmutigen lassen. Denn nichts tun, ist sehr schlecht
Was der KCD in so kurzer Zeit mit seiner Arbeit erreicht hat, ist bewundernswert. Respekt, wenn man bedenkt, dass sich etablierte
Gewerkschaften nicht sonderlich für die Berufskraftfahrer interessieren/interessiert haben. Muss ja mal erwähnt werden.
Hoffe sehr, dass es dieses Jahr weitergeht. Das sich mehr Berufskraftfahrer dem KCD anschließen. Gemeinsam sind wir stark!


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#9

RE: LKW-Fahrer protestieren europaweit gegen Lohndumping

in Infos aus FB 03.11.2014 22:09
von issjåfør | 80 Beiträge | 51 Punkte



Europäische Kraftfahrer machen Druck in Brüssel



Am 15 November 2014 werden Kraftfahrer aus mehreren Ländern Europas von 12.00 bis 16.00 Uhr vor dem Brüsseler Europaparlament, Ixelles- Luxemburg Place über einen gemeinsam erarbeiteten Forderungskatalog informieren und diesen dann an die zuständigen EU-Organe übergeben. Aber sie werden sich in erster Linie mit ihren Forderungen an die neue EU-Kommissarin Violeta Bulc wenden.



Eine gute und kollegiale, länderübergreifende Zusammenarbeit findet hier ihren Höhepunkt. In Zusammenarbeit der Vereinigungen Agorà MT aus Italien, Samen Sterk in Transport, Niederlande, Circulo Podemos Transportistas aus Spanien und den Kraftfahrer-Clubs Deutschland e.V. entstand nach langen Recherchen ein Forderungspapier, in dem auf die Besonderheiten der Transportbranche eingegangen wird.

Dringender Handlungsbedarf in den Bereichen Wettbewerbsverzerrung, Sozialdumping, Lenk- und Ruhezeiten, Menschenrechtsverletzung, soziale Standards, Vorschläge zur Vereinfachung der digitalen Kontrolle sind schon lange überfällig und sind nur einige wichtige Punkte dieses Forderungspapiers.
Die Organisatoren der Veranstaltung und Verfasser der Forderungen wünschen sich von der gesamten Transportbranche, von Verbänden und Gruppierungen, die sich bis jetzt durch ihren beispielhaften Kampf für bessere Arbeits- und Lebensbedingungen für die Transportbranche ausgezeichnet haben, dass sie sich solidarisch zeigen, am 15. November 2014 nach Brüssel kommen und Europa beweisen, dass Kollegialität nicht nur ein Wort ist, sondern dass auf Europas Straßen Kollegen fahren, die“ gemeinsam stark“ sind, die „Menschen am Steuer“ sind, die „Genug ist genug“ rufen, die „Stop Slavery“ sagen und die wissen, dass sie gemeinsam etwas bewegen können!


Together Now! Drivers Voice For A Social Europe!


Roberto Gioacchino Grande, Italy
Srdjan Sergio Grujik , Italy
Joop van Rooj, Netherland
Ingo Schulze, Germany
Sylvia Steinbach-Schulze, Germany
Jose Delgado, Spain
Antonio Llanos Alonso, Spain

Hier die deutschen Forderungen


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zuletzt bearbeitet 03.11.2014 22:10 | nach oben springen


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