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Ein Sachse in Tschechien bei Eis und Schnee

in International 02.11.2011 20:17
von LB141 (gelöscht)
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Im vergangenen Dezember sollte es mal nach Tschechien gehen. Es galt eine Partie Umzugsgut für Kanada zu verpacken und abzuholen.

Schnell schrieb ich mir noch ein Paar Vokabeln und die Nummer des tschechischen ADAC auf. Unterwegs hatte ich etwas Zeit noch was zu lernen, denn gut 750km lagen vor mir. Leer, nur mit etwas Packmaterial und einer Sackkarre beladen.

Am Abend noch eine kleine Abfahrtskontrolle gemacht, Fressalien und Hundezubehör eingepackt. Luna durfte auf dieser Tour natürlich nicht fehlen. Im Büro kochte ich mir noch eine große Thermoskanne Kaffee.

Die Fahrt kann los gehen. Es gibt leichten Schneefall, aber die Straßen sind frei. Erstmal aus München rauskommen. Es ist zwar schon Abend, aber der Verkehr ist noch relativ dicht. Geduld ist gefragt und Vorsicht, denn in München wird gefahren "wie sau"... Ich muss immer wieder aufpassen, dass ich mich an diese Fahrweise nicht anpasse. Kostet Unmengen an Nerven...und erhöht den Verschleiß obendrein.

Endlich auf die A9 auffahren und laufen lassen. Das Verkehrsaufkommen wird zusehens niedriger. Am Dreieck Holledau fahre ich auf die A93 in Richtung Regensburg. Ich bin etwas erkältet und hüstle vor mich hin. Ich armer Kerl... Kurz vor Regensburg werde ich immer müder und entscheide mich auf dem ersten Parkplatz nach Regensburg zu halten und eine kleine Pause einzulegen. Gesagt, getan. Ein kleines Nickerchen tut auch mal gut.

Wenig später wache ich schon wieder auf. Puls ist sofort da, denn meine Scheibe ist weiß. Och nee...denk ich mir. Jetzt aber schnell weg, bevor das hier noch schlimmer wird. Also Scheibe freigemacht, Motor an und schnell weg. "Schnell" ist ein dehnbarer begriff... Der Parkplatz ist schneebedeckt und genau das gleiche Szenario zeichnet sich auf der A93 ab. Alles weiß, nichtmal Fahrspuren sind zu sehen. Egal, was soll man machen...ab durch die Mitte. Nach kurzer Weile stellt sich leichter Übermut ein und ich fahre mit 80/90 über die Schneedecke. Hinter mir eine riesen Schneewolke, aber das stärt mich nicht. Ich bin ohnehin allein auf dieser Autobahn. Flux bin ich am Kreuz Oberpfälzer Wald und biege auf die A6 in Richtung Pilsen ab. Dort wartete die erste Steigung auf mich. Ging aber noch gut hoch, trotz dass ich (fast) leer war und sich die Straßenverhältnisse nicht gebessert hatten. Bis jetzt habe ich nur ein Räumfahrzeug gesehen...auf der Gegenfahrbahn. Auf der A6 dann weitergefahren bis zur CZ Grenze in Waidhaus. Angehalten. Tanken und Maut. Dann gleich weiter. Meter machen.

Auf tschechischer Seite ist wenigstens die rechte Autobahnspur etwas frei, die Schlaglöcher jedoch lassen mich immer mal wieder kräftig durchrütteln. Ich war angesichts dessen sehr gerührt....ääh geschüttelt. Sei es drum. Pilsen lasse ich hinter mir und je näher ich in Richtung Prag komme, desto freier werden die Straßen. Um Prag herum fuhr es sich wunderbar. Neuer Straßenbelag, mein Rücken dankte es. Ab Prag dann die D1 via Brünn in Richtung Olomouc. Die Straßen wurden wieder schlechter, aber wenigstens waren sie frei. Noch...

Ein Stück nach Olomouc fing es wieder an stärker zu schneien. Dann endete die Autobahn und wurde zur Schnellstraße. Mal drei- und mal vierspurig. Da bläst der Wind, denk ich mir. Es dauert nicht lange da ist hinter der nächsten Kurve die Straße überweht. Scheiße...schnell noch vor dem Schnee abgebremst, dann rauf auf die Schneedecke. Ich sag mal so...gut, dass kein Gegenverkehr kam denn im Nu zug es mir den Arsch weg. Hmmm! Driften ist mit diesem Vehikel also doch nicht unmöglich! Einer Wiederholung bedarf es dennoch nicht...

Weiter gehts...bzw. muss es. Die nächste Verwehung lässt nicht lange auf sich warten. Der Winterdienst kann hier gar nicht Herr der Lage werden, bei dem Wind. Die Feuerwehr unterstützt in diesem Fall den Winterdienst indem mit Schneeschippe die Bahn per Hand freigemacht wird. Verzweifelte versuche, die nicht fruchten dürften.

Das Navi will mich Richtung Rybi über Koprivnice zu meinem Ziel -Lichnov- schicken. Ich befolge die Anweisung und fahre von der 48 / E462 ab. Schööön...sooo viel Schnee. Links und rechts nur Feld. Das heißt, es weht schön über die Straße. Vor mir zum Glück kein anderes Fahrzeug, allerdings eine Menge Gegenverkehr. Mangels Differenzialsperre ziehts mir das Heck immer wieder Richtung Fahrbahnmitte. Ich fange ungläubige Blicke. Knapp am Gegenverkehr vorbei buddel ich mich so gut es geht durch die nunmehr gut 20cm dicke Schneedecke. Bloß nicht anhalten Benni, sonst kannste Dich hier häuslich einrichten. Stress. Ich hasse Stress (der Schweizer in mir). Verdammt! Scheiß Schnee, Wind, Kälte...Winderdienst wo bist Du? - Ich will uffn Arm...jetzt. Muuuuttiiii! Oh ne...hier liegt nicht so viel Schnee, also weiter im Programm. Den Harten markieren und versuchen den Nassen Punkt in meiner Hose zu trocknen. Hab ich mich doch glatt noch vollgekleckert...mit Kaffee. Was dachtet ihr denn?

Endlich ist dieses Rybi erreicht. Durch den Ort gehts ganz gut. Hier weht der Wind ja auch nicht so sehr. Aus dem Ort raus eine leichte Steigung und die Schneedecke wird immer höher. Ich beschließe erstmal den Kunden anzurufen, ob es nicht nen besseren Weg gibt. Denn eins weiß ich: HIER komm ich nicht durch. Klare Sache.

Der Kunde spricht glücklicher Weise ein einwandfreies Englisch, lotst mich über Pribor und gibt mir die Info, dass es zwischen Rybi und Koprivnice ohnehin eine Streckensperrung gibt. Super...Kommando zurück! Heißt: Noch mal am Gegenverkehr "vorbeidriften". Der Weg zurück zur 46 ist nicht mehr so beschwerlich wie vorhin. Muss wohl doch mal der Winterdienst langgefahren sein. Die Straße bis Pribor ist gut geräumt. In Pribor eine Baustelle mit Umleitung, aber auch hier gehts gut durch. Aus der Ortschaft raus, das gleiche Bild. Feld links und rechts. Schnee ohne Ende... Egal hier muss ich jetz durch sonst pack und lad ich heute bis in die Nacht. Irgendwie bin ich dann durchgekommen, da kommt das Schild "Lichnov" halb rechts abbiegen. Gerne! Wie sich rausstellt, gibt es dort keine Straßennamen sondern nur Nummern.

Doch da! Ein Fußgänger...Fenster runter und angehalten. Mein Tschechisch testen:
Dobri den. Kde je pizat-tri prozim?
- Der Fußgänger -ein älterer Herr, dick eingepackt- hält inne und schaut mich an, dann schaut er auf mein Kennzeichen. "Deutsch?"

Den hab ich doch glatt auf Anhieb verstanden!! "Ja" sage ich lächelnd.
- "Dann fahren Sie gerade aus. Nach der...ähm... wie sagt man...Gasthaus noch fimpfzig Meter. Linke Seite."

Ich bedanke mich. War doch überrascht, dass man hier im tiefsten Tschechien Deutsch spricht. Schnell finde ich zum Kunden und fahre auf den Hof. Ein Lichtblick: Ich kann direkt vor der Haustür parken. Und noch was: Die Kundschaft hat schon viel vorgepackt. Mir bleiben nur die Möbel. Also schnell das Bett zerlegt. Dann die Teile eingepackt. Noch ein Regal und zwei Nachtkästchen. Währenddessen kommt der Kunde zu mir und fragt auf englisch ob ich etwas zu esssen oder trinken möchte. "Gerne" sag ich. Das hab ich nun nicht erwartet. Was für eine Gastfreundschaft. Schnell bringt er mir Tee, ein Glas Wasser und etwas Gebäck. Wahnsinn. Das hab ich nun wirklich nicht erwartet. Doch damit nicht genug brachte er mir noch eine "Spezialität des Hauses". Eine in Fett (war wohl Butter) gebratene scheibe Brot mit sauer eingelegtem Paprika und Gurke dazu ein Paar Zwiebelringe und etwas Salz. Das war wirklich allerliebst. Hatte selten so nette Kunden. Wirklich einwandfrei. Fertig mit packen waren die Sachen auch schnell geladen. War nur 1. Stock. Hab dann noch etwas mit den Kunden geplaudert. Der Kunde war der Sohn des Hauses. Seine Freundin hat einen neuen Job in Kanada angefangen und er geht mit ihr. Eigentlich hat er eine eigene Firma (Sanitärinstallationen, Fliesenleger usw.) aber die gibt er der Liebe wegen auf. Der Kerl hat wirklich Talent wie man im Elternhaus besichtigen konnte. Sehr gute Arbeit. Ich wünsche ihm, dass auch er schnell Fuß in Kanada fassen kann. Ganz liebe Menschen.

Doch irgendwann muss auch mal Schluss sein, und so trat ich gleich meine Rückreise an. Es hatte in der Zwischenzeit weiter geschneit, doch nun...voll beladen...war das alles kein Problem mehr. Jetzt wollte ich noch ein Paar Meter machen bevor ich in den Feierabend ging. Doch bereits kurz darauf musste ich feststellen, dass nichts aus dem zeitnahen Feierabend wurde. Straßensperrung nahe Novy Jicin aufgrund eines Verkehrsunfalls. Mehrere PKW und ein Reisebus waren daran beteiligt. Die Einsatzkräfte waren schon vor Ort. Nach ca. einer dreiviertel Stunde des Wartens wurde unsere Fahrbahn kurz freigegeben. Die Gaffer rannten indes schnell zurück zu ihren Autos. Da ich dem Treiben aus dem Auto heraus zusah, konnte ich gleich durchstarten. Nach einigen, staufreien Kilometern befuhr ich einen kleinen, dunklen wenig frequentierten Parkplatz an und legte mich schlafen. Im Nachhinein wirklich ein schlechter Platz um zu pausieren aber ich war wohl zu müde um das zu realisieren. Naja...passiert ist nix.

Der restliche Rückweg ging recht flott. Es schneite nicht mehr. Doch nach Pilsen zeigte meine Tachonadel plötzlich 120 an. Ups...etwas zu schnell denke ich. Vor mir ein PKW ich muss ohnehin langsam werden. Dann plötzlich 60 auf dem Tacho. Hä? Wasn nu los? Ah! Glatteis... Also ein paar Kilometer übers Glatteis geschrubbt, dann war alles wieder gut. Herrlich fährt sich das eben mit ordentlich Gewicht auf der Achse...

Wer wissen möchte, wo die Bilder gemacht wurden muss mit der Maus aufs Bild gehen. Dann wird der Bildname angezeigt.

Unbenannt.JPG
Deutschland_A93_im_Winter.JPG
CZ_Waidhaus-Rozvadov.JPG
CZ_D5_Plzen1.JPG
CZ_D5_Plzen2.JPG
CZ_D5_Karlstejn.JPG
CZ_D5_Praha.JPG
CZ_Werbung.JPG
CZ_nahe_Olomouc.JPG
CZ_Vollsperrung_Novy_Jicin2.JPG
CZ_Vollsperrung_Novy_Jicin1.JPG


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#2

RE: Ein Sachse in Tschechien bei Eis und Schnee

in International 03.11.2011 10:51
von LB141 (gelöscht)
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